Ruhewald Hollwinkel                          15.11.2013          

Wer  Verstorbene in einem Wald unter einem Baum beisetzen möchte, darf sich seit dem Frühjahr 2011 an das Gut Hollwinkel wenden.
Die Sonnenstrahlen fallen durch das dichte Grün der Bäume, Vögel zwitschern und der Wind weht leise durchs Blattwerk. Es ist ein Ort der Ruhe, ein Ort, um in sich zu kehren. Aber es ist auch ein Ort, um die Verstorbene zu betrauern. Die Rede ist vom Ruhewald Hollwinkel.  
Dort wurde als Alternative zu Friedhöfen in dem Waldstück Gehlenholte ein Ruhepark eingerichtet.
Seinen Namen verdankt der Standort seinem damaligen Besitzer. In der Zwischenzeit gab es wechselnde Eigentümer, darunter auch die Möbelfirma Niemann. Berthold Freiherr von der Horst von Eichel-Streiber stellt einen 150 Jahre alten Baumbestand auf einer 8 Hektar großen Fläche nahe der Ölmühle im Hedemer Holz zur Verfügung.
Dort können dann Verstorbene nach Feuerbestattung und Trauerfeier  im Wurzelwerk einer Eiche, Buche, Esche oder eines Ahorns beigesetzt werden - schmucklos, aber nicht anonym. Eine wetterfeste Namenstafel soll an dem betreffenden Baum angebracht werden, eine Karte die Standorte der einzelnen Grabstätten festhalten.
Die Stadt soll zwar als Träger dieses Friedhofes auftreten, mit der Verwaltung und Pflege des Friedhofs aber kaum etwas zu tun haben. Auch um die finanzielle Abwicklung wird sich der private Betreiber kümmern. 
Seit 2003 erlaubt das Bestattungsgesetz in NRW, dass Toten - Asche im Wurzelbereich von Bäumen beigesetzt werden darf. Im Gegensatz zu den üblichen Waldfriedhöfen ist ein Ruhepark nicht als Begräbnisplatz zu erkennen. Grabpflege ist nicht notwendig. Die biologisch abbaubare Urne wird mit der Asche im Wurzelbereich des Baumes vergraben und zersetzt sich schadstofffrei - daher der offizielle Name dieser Begräbnisstätten: Ruhebiotope. Diese werden in einem Abstand von 150 Zentimetern von einem zuvor ausgewählten Baum in 70 Zentimetern Tiefe beigesetzt. So ist sichergestellt, das auch, wenn ein Baum einmal umstürzt, seine Wurzeln nicht die Urnen wieder herausreißt.
Rote und blaue Bänder kennzeichnen die Plätze. Ein rotes Band bedeutet, das es sich um einen Einzelbaum handelt. Diese können Familienmitglieder oder auch Freunde gemeinsam kaufen. Es ist dann wie ein Familiengrab. Es stehen damit für die Familie oder die Freunde 10 Plätze zur Verfugung. Ebenso viel Platz bietet ein Gemeinschaftsbaum mit blauem Band. Hier werden ebenfalls 10 Urnen rund herum bestattet. Es ist vergleichbar mit einem Reihengrab. Egal, was der Verstorbene vor seinem Tod oder seine Hinterbliebenen wählen, der erste Platz an seinem Baum ist immer nach Süden ausgerichtet, dann folgen die anderen Grabstellen im Abstand von 36 Grad. Ein paar Wochen später wird ein Farn oder ähnliches an der Grabstätte gepflanzt.
Und es gibt noch eine dritte Variante: ein Ilexfeld. Dort wird der Verstorben im Abstand zu einem Baumstumpf  beerdigt und auf sein Grab wird ein Ilex gepflanzt. Jeder Ruheplatz ist genau eingemessen und im Bauregister eingetragen. Der Erwerb eines Ruheplatzes für mindestens 30 oder höchstens 100 Jahre wird übrigens durch eine Urkunde mit allen Daten bestätigt.     
Hinter dieser Bestattungsform steht der Gedanke, dass die verwesende menschliche Hülle wieder in den Kreislauf des Lebens aufgenommen wird. Gleichzeitig haben Angehörige keine Arbeit mit der Grabpflege, wohl aber einen Anlaufpunkt für ihre Trauer.
Wer nicht in einer Friedhofskapelle vom Verstorbenen Abschied nehmen möchte, kann dies bei gutem Wetter auch auf einem Andachtsplatz im Ruhewald selbst.  Der Pastor kann hinter einem Altar aus Holz seine Trauerrede halten, die Hinterbliebenen sitzen auf Holzbänken im Schutz der Bäume. Und sollte das Wetter einmal nicht mitspielen, steht die Alsweder Kapelle offen. Im Saal der Wasserburg Hollwinkel kann im Anschluss Kaffee getrunken werden.
Der Wald ist naturbelassen und soll es auch bleiben, so der Grundgedanke einen Ruhewaldes. Deshalb sind Blumen und Gestecke nur in den ersten Wochen nach der Beerdigung erlaubt. Aber, im Gegensatz zu vielen ähnlichen Friedwäldern, ist es hier erlaubt, zur Beerdigung Holzkreuze aufzustellen und Blumen auf das Grab zu legen. Am Ende aber soll der Wald zurück zur Natur kehren und nur Pflanzen beherbergen, die hier auch natürlich wachsen.
Auch Bürgermeister Jost Egen zeigte sich im Dezember 2010 von dieser Form der letzten Ruhestätte beeindruckt und freute sich darüber, dass das Projekt nach seiner einjährigen Planungsphase nun in die Tat umgesetzt wurde.
Ein Begräbnisplatz im Ruhewald Hollwinkel ist preislich vergleichbar mit einer Grabstelle auf einem Friedhof. Folgekosten für die Grabstätte entfallen.
Der Ruhewald Hollwinkel ist weder an einer Kirchengemeinde noch an eine Glaubensrichtung gebunden.  

Informationen unter Telefon 0 57 43 / 9 30 29 93 oder per E-Mail:
ruhewald@hollwinkel.de