20.04.17                       

Der Mittellandkanal zweigt bei Bergeshövede in der Nähe von Rheine aus dem Dortmund-Ems-Kanal ab und endet nach rund 320 km Länge bei Magdeburg an der Elbe. Er verbindet als zentraler Teil der einzigen West-Ost-Wasserstraße Norddeutschlands die Stromgebiete des Rheins, der Ems, der Weser und der Elbe und stellt darüber hinaus die Verbindung nach Berlin und zu den osteuropäischen Wasserstraßen her. Neben den vom Mittellandkanal direkt berührten Industriegebieten Ibbenbüren, Minden, Hannover, Braunschweig und Magdeburg binden Stichkanäle nach Osnabrück, Hannover Linden, Hannover Misburg, Hildesheim und Salzgitter weitere wichtige Industrie- und Gewerbegebiete an den Mittellandkanal an.
Den Mittellandkanal und seine Stichkanäle kreuzen 385 Brücken sowie 228 Düker und Durchlässe, mit denen Gewässer und Verkehrswege unterführt werden.

Um Ems, Weser und Elbe miteinander zu verbinden, muss der Mittellandkanal zwei Wasserscheiden zwischen diesen Flussgebieten überwinden. An seinem westlichen Beginn bei Bergeshövede am Dortmund-Ems-Kanal liegt der Wasserspiegel des Mittellandkanals auf NN + 50,30 m (wie auch in Hedem). Die Wasserscheide zwischen Ems und Weser überwindet er ohne Schleusen. Die Weser wird bei Minden mit einer Kanalbrücke gekreuzt. Östlich der Weser verläuft der Kanal immer noch auf der Höhe NN + 50,30 m, überquert die Leine und steigt erst mit der Hindenburgschleuse in Anderten in seine Scheitelhaltung; mit einer Wasserspiegelhöhe von NN  + 65 m Mit der Schleuse Südfeld westlich von Wolfsburg endet die Scheidelhaltung; der Mittellandkanal geht hier in seiner Osthaltung auf der Wasserspiegelhöhe NN + 56 m über.
Den Planungen zum Bau des Mittellandkanals war ein Verkehrsaufkommen von 8,8 Mio. Jahrestonnen zugrunde gelegt worden. Bereits gegen Ende der 30 er Jahre erreichte der Verkehr jedoch 12 Mio. Jahrestonnen und ist bis heute auf etwa 23 Mio. Tonnen angewachsen. Hiervon entfallen ca. 6 Mio. Tonnen auf den Durchgangsverkehr und ca. 17 Mio. Tonnen auf den Gebietsverkehr, das heißt einen Verkehr, der in den Häfen des Kanals selbst beginnt oder endet. Der Gebietsverkehr von heute 75 % zeigt, welch großen Einfluss der Kanal auf die wirtschaftliche Entwicklung seines Umfeldes hat. Alle Verkehrsprognosen sagen, insbesondere nach der Wiederherstellung der deutschen Einheit und nach Öffnung der osteuropäischen Länder, einen weiteren deutlichen Verkehrszuwachs voraus.

  Bau des Mittellandkanals 1904                   

Bevor der erste Spatenstich zum Bau des Kanal getan werden konnte, waren jahrelange Verhandlungen und Interessenkämpfe zu bestehen. Schon bei der friedlichen Eröffnung des Dortmund-Ems-Kanals 20 Jahre zuvor, hatte Kaiser Wilhelm II. die Hoffnung ausgedrückt, das Parlament würde ihn in die Lage versetzten "dem Land den Segen des Mittellandkanals" zu sichern. Erst 1904 konnten erste Streckenabschnitte des Kanalprojektes in Angriff genommen genommen werden. Auch hier vor Ort rieben sich die Meinungen der einen, die auf den Fortschritt bauten, und der anderen, deren Land genommen oder zerteilt wurde, gegenseitig auf. Dies setzte sich auch während der Kanalvorbereitungen fort. Zahlreiche Schwierigkeiten, denen man noch zuvor kein Augenmerk schenkte, mussten gemeistert werden. Als dann 1910 die ersten Ladungen von Holzteilen und Eisen für den Brückenbau in unserer Region angefahren wurden, war das Interesse groß, fanden doch viele Helfer hier neue Arbeit.
 Der Abschnitt in Hedem und in benachbarte Gebiete entstand  in den Jahren 1910 bis 1914. Die Bauzeit dieser bis heute bedeutenden Wasserstraße nahm in der Presse nur geringen Raum ein. Dies dürfte unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass die Königliche Kanalbaudirektion Hannover mangels einheimischer Kräfte auch Italiener, Polen und Österreicher beschäftigte. Diese hatten ihre Bleibe häufig nicht in den Dörfern selbst, sondern in Unterkünften an der Kanalbaustelle.
Mit den in der Planungsvorgabe liegenden Moor- und Feuchtgebieten gab es zusätzliche Probleme. So musste auf der Strecke von Getmold über Alswede nach Lübbecke ein Deichsystem entwickelt und umgesetzt werden. Die erforderliche Umleitung zahlreicher Wege und die Neuanlage von Brücken nach Rücksprache mit den überwiegend bäuerlichen Eigentümern hatten umfangreiche Erdarbeiten zur Folge. Da eine vertragstreue pünktliche Fertigstellung der Bauarbeiten erforderlich war, wurde seit dem 1. Mai 1912 auch nachts gearbeitet.
Einen Teil der zum Kanalbau benötigten Steine gewann man im Nettelstedter Steinbruch und transportierte sie mit Pferdefuhrwerken die Hänge des Wiehengebirges hinab zum Arbeitsplatz am Kanal. Unfälle zeigten immer wieder, wie gefährlich solche Unternehmen waren.
Im Dezember 1914 war es soweit. Das Kanalbett war eingewässert. Am 9. Dezember passierte nach Auskunft der Lübbecker Stadtchronik das erste Schiff den Kanal - ein mit Steinen beladenes Schiff im Auftrage der Kanalbaudirektion. Am 16. Februar 1915 fand, vom Krieg überschattet, die Einweihung des Ems-Weser-Kanal in aller Stille statt. Manchem bot sich von nun an der bis dahin unbekannte Anblick eines Schiffes, und immer wieder fanden sich Schaulustige zusammen, wenn die Ankunft oder die Durchfahrt eines Dampfers oder eines Bootes bekannt wurde. Doch diese Beschaulichkeit sollte noch im Einweihungsjahr des Kanals dramatische Wende erhalten.

Der Dammbruch 1915 in Hedem am 2. Weihnachtstag 1915                            

Durch das sich schnell vergrößernde Loch schoss Wasser in das Vorland und bedrohte Höfe und Häuser. Viel Vieh ertrank in den Fluten. Mit vereinten Kräften konnte größerer Schaden verhindert werden. Von Minden aus entzog man den Kanal Wasser, um den Wasserspiegel  auf ein kontrollierbares Maß abzusenken.
Die Schlepper zogen Kähne, mussten unter Brücken den Schornstein einklappen.
Im Dezember 1921 war der Kanal zugefroren und die Eisstärke betrug 13 cm. Infolge der Besetzung des Ruhrgebietes 1923 durch die Franzosen ist der Schiffsverkehr 1923 fast ganz eingestellt.
Im Frühjahr 1945, kurz vor Beendigung des Krieges, wurden viele Brücken über dem Mittellandkanal wie auch die Kanalüberführung und die Weserbrücke in Minden gesprengt.
Mitte der sechziger Jahre wurde der Kanal verbreitert, auf Grund zunehmenden Verkehrs. Man ging nun dazu über, zur Uferabsicherung Spundwände mittels einer Fünf-Tonnen-Preßluftramme über drei Meter in den Boden zu rammen und mit Abraum, Sand und Steinen das Ufer bis zu den Spundwänden aufzufüllen.
Interessante archäologische Funde machten Wissenschaftler im Oktober 1992 bei Erdarbeiten zu der MIDAL-Trasse (Midal: Mitte-Deutschland-Anbindungs-Leitung verbindet den Norden und Süden Ostwestfalen-Lippes von Warburg bis Rahden). Eine germanische Ansiedlung aus der Zeit um 500 v. Chr. wurde entdeckt. Mit Hilfe eines neun Meter langen Bohrkopfes wurde im März 1993 über 208 Meter von der Nordseite des Kanals unter der Wasserstraße her Platz für die Rohrleitung (1 m Durchmesser) geschaffen. Die Kosten für diese Bohrarbeiten betrugen 3 Mio. Mark.

06.07.03 Schiff auf Kanal leck geschlagen             

Ein Ruderschaden ist offenbar die Ursache für ein Schiffsunglück auf dem Mittellandkanal zwischen Hedem und Lashorst. Ein mit 700 Tonnen Kies beladener Frachter aus Antwerpen war auf dem Weg von Magdeburg nach Venlo. Am 06.07.03 fiel dann die Elektronik des Schiffes aus. Kapitän Michel Regnier wollte am Anleger zwischen Hedem und Lashorst fest machen, um Hilfe zu holen. Offenbar sei das Schiff dann gegen die Spundwand geprallt, meinte Stadtbrandinspektor und Zahnarzt Dr. Thomas Kunzemann. Da mittlerweile Wasser in das Schiff eingedrungen war, wurde die Feuerwehr alarmiert. Für zahlreiche Kameraden war der Besuch des Hedemer Feuerwehrfestes damit vorzeitig beendet. Ein Teil des abgepumpten Wasser musste in Faltbehältern aufgefangen und anschließend entsorgt werden, weil es mit einem Gemisch aus Öl und Diesel verschmutzt war. Ein speziell ausgebildeter Taucher wurde aus Duisburg angefordert, um den Schaden in Augenschein zu nehmen und den Frachter gegebenenfalls direkt vor Ort zu reparieren. Eine akute Gefahr für die Umwelt bestand durch das schnelle Eingreifen der Pr. Oldendorfer Feuerwehr nicht mehr. Durch das fachliche Eingreifen der Feuerwehrleute vor Ort konnte verhindert werden, dass der Frachter sank.

01.04.10 Hedemer begrüßten Binnenschiffer                            

Ein Hauch von Hamburger Elbe - Atmosphäre war am 01.04.2010 am Mittellandkanal in Hedem zu spüren.
"In Wedel heißt es 'Willkommen in Hamburg' und bei uns für die Binnenschiffe heute 'Willkommen in Hedem' lachte Thomas Lömker. Bei der Einfahrt schallte dazu aus einem Lautsprecher das Lied "Ein Schiff wird kommen" von Lale Andersen und bei der Ausfahrt erklang der Evergreen "Junge, komm bald wieder" von Freddy Quinn. Es wurde auch jedes Mal die entsprechende Flagge des Schiffes gehisst. Für diese Aktion benötigte man nur 7 Flaggen (Deutschland, Frankreich, Belgien, Schweiz, Tschechien, Polen und Holland).      

               

 


02.05.13 Feuerwehr fischt Dachs aus dem Kanal

Zu einem ungewöhnlichen Einsatz wurde die Feuerwehr gerufen. Spaziergänger hatten am Kanal in Hedem einen "Dachs in Seenot" beobachtet. Die Feuerwehr ließ ein Motorboot zu Wasser, fischte den schwarzweißen Schwimmer heraus und setzten ihn kurzerhand wieder an Land.  


In der Zeit vom Samstagabend den 15.04.2017 bis zum Vormittag den 16.04.2017 am Ostersonntag kam es zu Vandalismusschäden an der Kanalbrücke 108 in Hedem. Unbekannte haben mutwillig 4 Bäume am Mittellandkanal mit der Axt gefällt. Der Schiffsverkehr war beeinträchtigt, weil ein gefällter Baum ins Wasser hineinragte. Außerdem wurde die Schranke zum Betriebsweg mit roher Gewalt zerstört. Der Schaden: mehrere tausend Euro.