Der Dammbruch in Hedem am 2. Weihnachtstag 1915              15.05.16                     

Infolge andauernden Regens war der Wasserspiegel sehr hoch gestiegen und der Wasserdruck dadurch stärker geworden. Bisher hatten sich bei den täglichen Beobachtungen, die bei allen Dammstrecken des Kanals stattfanden, keine Mängel gezeigt. Obwohl der Wasserstand in Minden geregelt wurde, brach doch gegen 10 Uhr der Damm. Als plötzlich die Dorfglocke ertönte, dachte man schon an einen großen Sieg an der Kriegsfront, aber nicht an diese Katastrophe.
Nach Norden schauend, erblickte man bald eine große schaurige Wasserwüste, die sich sehr schnell vergrößerte. Zuerst wurde nur ein Stück von etwa einem Meter herausgerissen, doch bald waren es 10 Meter, und die gewaltigen Wassermengen stürzten sich über das etwa 2 Meter unter dem normalen Wasserspiegel liegende flache Gelände und bedrohte Höfe und Häuser. Man stellte bald fest, dass die Sperrung dieser Öffnung nicht vorzunehmen war, da es an Sandsäcken und dergleichen fehlte. Deshalb beschloss man, aus den bedrohten Häusern zu retten, was möglich war. Da vorerst nur wenige Menschen zur Hilfe da waren, wurde durch die Glocke bald alle verfügbaren Mannschaften herangeholt. Auch wurde ein Bote zur Kirche in Alswede gesandt, und Her Pfarrer Voß machte bekannt, dass die Männer Hedems nach Hause eilen möchten, da der Kanaldamm gerissen sei. In großen Scharen nahte auch bald die Hilfe. Da das Wasser beständig stieg, musste zunächst das Vieh in Sicherheit gebracht werden. Das Retten des Rindviehs gelang bald, weit schlimmer gestaltete sich die Bergung der Schweine. Einige liefen schnurstracks wieder in das Wasser zurück.

Als eine etwa 600 Meter lange und 400 Meter breite Ebene mit Wasser angefüllt war, strömte dieses über die mittelste Dorfstraße nach Hollwinkel und Alswede zu. In etwa 12 Häuser von Hedem drang das Wasser ein.
Am Montag um 22 Uhr trafen die am Morgen verladenen Materialien (Sandsäcke, Steine usw.) ein, da wegen des abgesenkten Wasserspiegels nur mit sehr geringer Geschwindigkeit gefahren werden konnte. Inzwischen  war bereits eine 300 Kerzen starke Benzollampe zur Beleuchtung der Bruchstelle von Minden beschafft worden. Im Schein dieser Lampe fand nun bei rasendem Sturm, der die Arbeiten sehr erschwerte, der Einbau von rund 1600 Sandsäcken zur teilweisen Abdämmung des Bruches statt. Außerdem sollte die Bruchstelle auch noch durch eine eiserne Spundwand abgeschlossen werden. Die Leitung der Arbeiten lagen in den Händen des Regierungsbaumeisters Post, welchem zur Unterstützung der Bauaufseher Mertens aus Hedem diente.

Ein halbes Jahr später, es war am Sonntag, den 25. Juni 1916, befürchteten die Bewohner des Dorfes Hedem am Ems-Weser-Kanal, dass der Kanaldamm wieder durchbrechen würde. Wieder drang Wasser hindurch, diesmal durch eine im Damm entstandene Wasserader. Um alle Gefahr eines Bruchs zu beseitigen, wurde seitens des Wasserbauamtes in Minden der Damm mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln so gesichert, dass nach 27 stündiger Arbeit die Wasserader verstopft war.