Spuren Hedemer Germanen             16.05.16             

Die Erdgasleitung M I D A L - Trasse (Midal: Mitte - Deutschland - Anbindungs - Leitung) verbindet den Norden und Süden Ostwestfalen - Lippes von Warburg bis Rahden.
Beim Bau der Erdgas-Pipeline wurden Brunnen einer germanischen Siedlung in Hedem am Wasserwerk entdeckt.
Als ungewöhnlich und für Nordrhein Westfalen bedeutsam bezeichnen die Altertumsforscher eine Rarität, die auf der 21 Meter breiten Trasse in Hedem gefunden wurde und alle Erwartungen übertraf. 3 Brunnenanlagen, von denen 2 mit aufwändiger Technik gehoben und damit gesichert  wurden, weil sie direkt auf dem Trassenverlauf lagen. Ein sogenannter "Kastenbrunnen" und ein "Rohrbrunnen" aus einem ausgehöhlten Baustamm.

<-- Die Orginalbrunnen im Westfälischen Museum für Archäologie in Münster

Anhand weiterer Funde an diesen Siedlungsplatz konnten diese Brunnen - der dritte von ihnen wurde durch die Pipeline nicht angeschnitten - einer reichen Hofstelle aus dem 4. oder 5. Jahrhundert nach Christus zugeordnet werden. Die Rohrverlegungsarbeiten wurden dafür sogar zurückgestellt.

Entdeckung und Bergung der 2 Brunnen

Im Zuge der weiteren Freilegung tauchten am Boden der 3,5 m breiten Grube in 1,4 m Tiefe Holzreste auf. Sie erwiesen sich als Teile von zwei nebeneinanderstehenden Brunnen, die noch über 1,5 m hoch erhalten waren. Dabei handelte es sich um zwei unterschiedliche Konstruktionstypen, einen Kastenbrunnen und einen Rohrbrunnen. Beide hatten eine Weite von 70 cm. Der Rohrbrunnen bestand aus einem ausgehöhlten Baumstamm. Aus der stratigraphischen Beobachtung der Schichten ließ sich schließen, dass erst der Kastenbrunnen und später, wohl nach dessen Unbrauchbarwerden, der Rohrbrunnen eingebaut wurden. Die Bedeutung dieses einzigartigen Befundes zweier verschiedener Brunnentypen nebeneinander war Anlass genug, eine Blockbergung durchzuführen. Außerdem lagen sie genau im Verlauf der zukünftigen Gasleitung. Nach der Dokumentation der übrigen Siedlungsbefunde wurde die Umgebung der Brunnen für die Verarbeitung der Bergung freigeräumt. Die Brunnen wurden in einem speziell angefertigten Eisenkasten verpackt. Der Stahlboden wurde mit einer Baggerschaufel untergeschoben und am Kasten verschweißt. Die Bergung erfolgte mit einem Autokran. Der zwölf Tonnen schwere Block wurde auf einen Tieflader verladen und später in die Restaurierungswerkstatt des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Schleswig, Schloss Gottorf, gebracht. In Schleswig wurde der Block fachmännisch zerlegt, untersucht und dokumentiert. Beide Brunnen wurden konserviert und befinden sich im Westfälischen Museum für Archäologie in Herne.